Grappa

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Grappa: der typisch italienische Digestif

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem italienischen Restaurant und haben ein fantastisches Essen mit Antipasti, leckerer Pasta und einem cremigen Tiramisu hinter sich. Was jetzt fehlt, ist ein Espresso und ein Digestif, also ein kleiner Verdauungshelfer, der den Magen aufräumt. Gleichzeitig bekommen Ihre Geschmacksknospen noch eine kleine Extra-Zuwendung. Ein klassischer italienischer Schnaps, der typischerweise nach üppigen Mahlzeiten genossen wird, ist Grappa. Die auch als Grappa Italia bezeichnete Spirituose stammt – wie der Name vermuten lässt – aus Italien und wird dort Überlieferungen zufolge bereits seit dem 5. Jahrhundert nach Christus hergestellt. Nachdem die hohe Kunst der Destillation in Italien Verbreitung fand, war es zunächst Mönchen und später einfachen Bauern möglich, Spirituosen zu brennen. In einem Land, in dem schon lange Weinbau betrieben wurde, war es naheliegend, dass zur Produktion von hochprozentigen Tropfen ebenfalls Weintrauben Verwendung fanden. Somit hat sich in Italien früh eine Kultur der Grappa-Destillation etabliert. Namentlich in Aufzeichnungen erwähnt wurde Grappa allerdings erst viel später, nämlich im 15. Jahrhundert. 

Grappa wird wegen seiner kräftigen und fruchtigen Noten geschätzt und hat einen Mindestalkoholgehalt von 37,5 Volumenprozent. Es gibt sogar Sorten, die bis zu 70 Volumenprozent Alkohol enthalten, doch in der Regel schwankt der Alkoholgehalt um die 40 Volumenprozent. Geschmackliche Vielfalt erhält Grappa durch die verwendeten Rebsorten und je nach Produkt die anschließende Lagerung in Fässern, die aus unterschiedlichen Hölzern gefertigt werden.

Wissenswertes zur Herstellung von Grappa

Grappa ist sozusagen ein Nebenprodukt der Weinherstellung. Il Grappolo oder L’Uva heißt auf Italienisch die Weintraube. Daraus ist das Wort Grappa für das traditionelle Destillat entstanden. Zur Herstellung von Weißwein werden die geernteten Trauben sofort ausgepresst und der Saft wird zu Weißwein vergoren. Nach dem Auspressen der Trauben bleiben die Beerenschalen mit den Kernen und einigen Stielen zurück in der Presse. Diese Masse wird Trester genannt. Trester enthält aber – genau wie der frisch abgepresste Saft – noch viel Fruchtzucker. Wird der Trester nun neu angesetzt und durch Zugabe von Hefen vergoren, entsteht eine sehr aromatische, alkoholische Masse, die anschließend destilliert wird. In Deutschland wird das Tresterbrand genannt und ist zunächst einmal eine glasklare hochprozentige Flüssigkeit.

Aber nicht alle Grappas haben die gleiche Farbe. Der ursprünglich klare Grappa wird zum Teil in Holzfässern gelagert. Je nach verwendetem Holz führt das dazu, dass er eine stroh- bis goldgelbe und sogar ins bräunliche gehende Farbe annimmt. Und nicht nur das: Hölzer geben Aromen ab und runden den ohnehin schon kräftigen Eigengeschmack des Grappa zusätzlich ab. Zum Beispiel ist ein in Kirschholzfässern gelagerter Grappa weich und vollmundig, ein im Eichenfass gelagerter eher würzig. Je länger der Grappa gelagert wird, desto intensiver ausgeprägt sind Aroma und Farbe.

Grappa, dessen Mehrzahl im Italienischen korrekt „grappe“” lautet, nach deutscher Rechtschreibung allerdings „Grappas“, hat eine fantastische Wandlung hinter sich. Anfangs war seine Herstellung wenig reglementiert, was dazu führte, dass jeder in der Heimdestillerie aus Pressrückständen von Trauben Grappa für den Eigenbedarf herstellen konnte. Grappa war so etwas wie ein „Arme-Leute-Schnaps“. Kein Vergleich zu seinem heutigen Status als edle Spirituose! Grappa hat mittlerweile weltweit eine große Fangemeinde, wird teilweise teuer gehandelt und von Kennern verkostet. 

So genießen Sie Grappa richtig 

Grappa ist von Haus aus ein Digestif, also eine kleine Verdauungshilfe nach einer Mahlzeit. Grappa standesgemäß zu servieren, gleicht einer kleinen Wissenschaft. Nachfolgendes gilt es zu beachten: 

  • Pur getrunken wird Grappa in kleinen Stielgläsern serviert, die unten bauchig und nach oben schmal und zylinderförmig sind. Der edle Tropfen kann durch die spezielle Form der Grappa Gläser seinen vollen Körper entfalten, das Aroma bleibt aber im Glas, bis er genossen wird.
  • Jüngerer Grappa wird gekühlt bei etwa 10 Grad Celsius getrunken, ältere Sorten bei bis zu 18 Grad Celsius. Trinken Sie besonders hochwertigen Grappa bloß nicht zu kalt, ansonsten entgehen Ihnen die feinen aromatischen Nuancen!
  • Wie ein guter Wein soll auch Grappa atmen können. Deswegen schenken Sie ihn am besten 15 Minuten vor dem Genuss ein und geben ihm Zeit, sich voll zu entfalten.
  • Grappaflaschen werden idealerweise stehend gelagert, das gilt insbesondere für verkorkte Flaschen. Die Gefahr, dass Kork in den edlen Tropfen gelangt und den Geschmack beeinträchtigt, ist andernfalls zu groß.

Grappa muss selbstverständlich nicht immer pur getrunken werden. In Italien gibt es eine kleine Kultur um den sogenannten “Caffè Corretto”. Dabei wird einem Espresso ein Schuss Grappa beigefügt. Auf diese Weise können Sie den Espresso nach dem Essen auf schmackhafte Weise mit dem alkoholischen Digestif verbinden. Darüber hinaus gibt es mittlerweile zahlreiche Longdrinks, Cocktails und sogar Speiserezepte, für die Grappa verwendet wird. Lassen Sie Ihrer Kreativität beim Mixen freien Lauf!